Was ist denn eigentlich ein Böller
und wie funktioniert er?
Der
Böller ist grundsätzlich ein Vorderlader großen Kalibers. Aber wie so oft gibt
es auch hier Ausnahmen: manche Böller und Böllerkanonen werden mittels
Kartuschen geladen. Es wird unter Handböllern, Schaftböllern, Standböllern und
Böllerkanonen unterschieden. Der Handböller sieht wie eine überdimensionale
Steinschlosspistole aus und ist auch relativ schwer. 6 - 12 kg sind keine
Seltenheit. Ein Schaftböller sieht grundsätzlich ähnlich aus, hat aber die
Dimension eines Gewehres. Entsprechend schwer sind diese „Brummer“. Ein
Böllerschütze, der so einen Schaftböller in einem Umzug tragen darf, ist nicht
zu beneiden. Standböller habe eine gewisse ähnlichkeit mit Mörsern. Es gibt sie
in ein-, zwei- oder dreirohriger Ausführung. Der wohl bekannteste Standböller
ist der „Sirius“, eine interessante dreirohrige Konstruktion. Als größte
Kaliber kommen beim Böllerschiessen die Kanonen zum Einsatz.
Nach einer
Funktionsprüfung des Hand- oder Schaftböllers zieht der Böllerschütze den
Schlaghahn der sogenannten Perkussionszündung in die Laderaste, d.h. die
Zündung ist jetzt gesichert und kann nicht ausgelöst werden. Jetzt wird
Böllerpulver in einer vorher bestimmten und abgefüllten Menge in den Lauf
eingefüllt. Durch einige leichte Schläge mit dem Holzhammer auf die meist
seitlich am Lauf angebrachte Zündvorrichtung treibt der Schütze das eingefüllte
Böllerpulver sozusagen um die Ecke in den Zündkanal. Anschließend wird mit
einem Korken verdämmt, es wird also durch kräftige Schläge mit dem Holzhammer
über den Ladestock auf den Korken dieser in den Lauf getrieben und dadurch das
Böllerpulver im Böller auf engen Raum zusammengepresst. Ein weiterer Vorteil,
auch für die Sicherheit: Das Pulver kann nun nicht mehr verloren gehen oder,
wenn Regen fällt, nass werden.
Nun
wird auf das Piston, dieses ist in den bereits erwähnten Zündkanal
eingeschraubt, ein Zündhütchen aufgesetzt. Schlägt der Schlaghahn beim Feuern
auf dieses Zündhütchen, zündet es mit einem Feuerschlag das Böllerpulver im
Böller. Der Böller ist jetzt fertig geladen und scharf.
Der
Böllerschütze zieht den Schlaghahn nun ganz auf, dieser rastet ganz aufgezogen
ein. Der Böller wird hoch über den Kopf gehoben und über den Abzug abgefeuert.
Vorderladerkanonen
werden ähnlich geladen. Nun, es liegt in der Natur der Sache, dass hier die
Dimensionen etwas anders gelagert sind! Die Zündung kann hier ebenfalls durch
Schlag (Perkussion) oder aber auch elektrisch erfolgen. Perkussionszündungen
werden in den Lauf eingeschraubt. Zum Schuss entriegelt der Kanonier die
Zündvorrichtung und der unter Federspannung sitzende Schlagbolzen schlägt auf
das Zündhütchen über dem Piston und löst die Explosion aus.
Es
kommen bei Kanonen aber auch Kartuschen zum Einsatz. Diese werden bereits vor
dem eigentlichen Schiessen mit dem Zündplättchen oder Zündhütchen versehen, mit
Pulver aufgefüllt und verdämmt. An der Kanone wird nun die rückwärtig am Lauf
angebrachte Verriegelung geöffnet die vorbereitete Kartusche eingeschoben, die
Verriegelung geschlossen, der Schlagbolzen gegen Federspannung aufgezogen und
gesichert. Der Schuss wird durch Zug an der Leine der Sicherung ausgelöst.
Die
dritte Gattung Böller sind die sogenannten Standböller. Hierunter fällt jedes
Böllergerät das nicht unter die zuvor beschriebenen fällt und selbststehend
senkrecht nach oben abgefeuert wird. Kompliziert? Nun, ganz einfach ist diese
Art auch nicht zu beschreiben, zu vielfältig sind die verschiedenen
Ausführungen. Gemeinsam haben sie aber alle die Besonderheit, dass sie von
Laien in der Regel nicht als Böllergerät erkannt werden und dies macht sie so
einzigartig aber auch gefährlich. Man kann sich hier eine ein- oder mehrrohrige
auf dem Boden stehende oft nur 30 – 40 cm hohe Metallkonstruktion vorstellen
die durch Perkussions- oder Elektrozündung abgeschossen wird. Das besondere
hier liegt in der Natur der Sache: Die Zündung nach oben in relativ niederer
Höhe über dem Boden ergib auch schon bei relativ geringer Pulverladung einen
satten Bums!